Was ist Kreativität?
Ich denke, es ist eine Fähigkeit, die sich aus drei Fähigkeiten zusammensetzt.
1. Die Fähigkeit, Neues zu schaffen.
2. Die Fähigkeit, Gutes in diesem Neuen zu entdecken.
3. Die Fähigkeit, das Entdeckte einzufangen und zu reproduzieren.
1. Neues schaffen
Wo kommen Ideen, die noch niemand zuvor hatte, her?
Meines Erachtens, ist dies der Zufall. Das Rauschen von zufälligem, von nicht geplantem, von unerwartetem.
Die Möglichkeit einer göttlichen Inspiration oder einer platonischen Idealwelt, in der diese Ideen bereits existieren, und von der sie langsam in unsere Welt hinüber sickern, schliesse ich aus.
Wenn der eigentliche Schöpfungsvorgang also nur der Zufall ist, dann liegt die Fähigkeit des Kreativen nicht im Erschaffen selber, sondern in der Fähigkeit, sich dem Zufall zu öffnen. Auf das Rauschen zu hören, das Unerwartete wahrzunehmen, Muster im Chaos zu sehen.
2. Guten entdecken
Das Gespür, die Intuition zu haben, in dem Strom von Mustern, die man wahrnimmt, das heraus zu filtern, was schön, gut oder bewegend ist. Sie es ein intuitiver Sinn für Ästhetik oder herauszuspüren, wenn etwas ein Gefühl anspricht.
Dies muss effektiv geschehen, denn fast alles, was der Zufall produziert ist Müll. Es gilt die wenigen Perlen herauszupicken. Den einen Bernstein am Kiesstrand zu entdecken. Nur die Intuition hat diese Effektivität, eine bewusste Analyse kann dies nicht leisten.
3. Das Entdeckte einfangen
Hat man diesen Moment den Entdeckens, muss man in der Lage sein, ihn einzufangen und fest zu halten. Ansonsten geht er verloren und wird vom konstanten Strom des Rauschens wieder fortgespült.
Dies ist ein handwerkliches Geschick. Die Idee, sei es eine Melodie, ein Bild, eine Form, ein Gedanke, die man für einen kurzen, flüchtigen Moment im Kopf hat, auf Papier, eine Leinwand, oder eine Fingerbewegung umzusetzen, und sie damit ein eine Form zu bringen, die dauerhafter ist, oder mit der man weiter arbeiten kann.
Die dritte Fähigkeit steht in einem interessanten Konflikt zu den beiden anderen.
Es ist eine technische Fähigkeit, zum Beispiel eine Melodie im Kopf, in Fingerbewegungen auf dem Klavier oder der Gitarre zu übersetzen. Oder Pinsel, Farben und Leinwand genau so einzusetzen, dass das Bild vor dem inneren Augen reproduziert wird. Oder aus Grammatik und sprachlichen Konventionen eine Text zu schaffen, der das repräsentiert, was man ausdrücken will.
Dies ist eine Fähigkeit, die man erlernen muss, sei es an Schulen, Universitäten oder im Einzelunterricht. Und die Sprache der Musik, des Bildes, des Wortes zu lernen, heisst auch, die Regeln, Strukturen und Konventionen dieser Sprache zu verinnerlichen. Man lernt das Geordnete, das was andere für gut und schön erklären. Somit entfernt man dich von dem Chaos, das Neues hervorbringt, und dem eigenen Gespür für das, was gut ist.
Man muss sich die Offenheit für das Unerwartete, das Willkommenheissen des Chaos selber erarbeiten, und gegen das Erlernte verteidigen.
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